Manager für Digitale Souveränität: Interview mit Referent Gregor Schumacher

Digitale Souveränität unterstützt Unternehmen dabei, technologische Abhängigkeiten transparent zu machen, daraus entstehende Risiken fundiert zu bewerten und strategische Handlungsoptionen zu entwickeln. Um die digitale Wertschöpfung langfristig resilient und zukunftsfähig zu gestalten, ist es entscheidend, Souveränitätsrisiken systematisch zu identifizieren und geeignete Maßnahmen mit Blick auf Kosten, Leistungsfähigkeit und Resilienz einzuordnen.

Im Interview beantwortet Referent Gregor Schumacher zentrale Fragen rund um den Zertifikatslehrgang „Manager für Digitale Souveränität: Risiken, Strategien und Umsetzung“, den er mit Alexander Clemm und David Sterz durchführt. Er erläutert, wie digitale Abhängigkeiten entstehen, welche Risiken in bestehenden IT-Landschaften besonders relevant sind und welche Kompetenzen die Teilnehmenden erwerben, um Handlungsoptionen zu bewerten, tragfähige Strategien zu entwickeln und Maßnahmen für mehr digitale Souveränität erfolgreich umzusetzen.

 

Warum ist das Thema gerade jetzt wichtig?


Digitale Souveränität ist derzeit in vielen Facetten präsent. Erst kürzlich wurde auf Social Media intensiv darüber diskutiert, dass ein neues Frontier-AI-Modell nur noch US-amerikanischen Nutzern zur Verfügung stehen soll. Gleichzeitig sorgen Themen wie Datenzugriffe im Rahmen des CLOUD Acts, geopolitische Spannungen oder der Umgang großer Technologieunternehmen mit Daten und Marktmacht für Diskussionen. Die damit verbundenen Risiken können für Unternehmen erheblich sein, deshalb sollte sich jede Organisation zumindest grundlegend mit dem Thema auseinandersetzen.


Was lernen Teilnehmer bei Ihnen, das sie so in keinem Lehrbuch finden?


Es gibt schlicht kein einzelnes Lehrbuch für Digitale Souveränität. Das Thema ist inhärent cross-funktional: Es geht immer mindestens um Technologie, Recht und Ökonomie gleichzeitig. Dazu kommen politische Abhängigkeiten, gesellschaftliche Fragen und persönliche Überzeugungen.
Deshalb führen viele Diskussionen ins Nichts, insbesondere in der Polarisierung und Verkürzung, die Social Media uns ja zwangsläufig vorgibt. Ich freue mich daher sehr auf diesen Kurs, weil wir dort die Zeit haben, das Thema sowohl in der Breite als auch in der Tiefe zu diskutieren.
Wir werden also viele unterschiedliche Lehrbücher streifen. Unser Potpourri aus Perspektiven und Disziplinen ist einzigartig und genau auf die Herausforderungen der digitalen Souveränität zugeschnitten.


Welche Denkweise müssen Teilnehmer vielleicht zuerst ablegen, um wirklich Fortschritte zu erzielen?


Wer ernsthaft an digitaler Souveränität gewinnen möchte, muss die Vorstellung ablegen, dass es sich um einen binären Zustand handelt, den man irgendwann einfach erreicht. Im Kern geht es vielmehr darum, verschiedene Risiken zu verstehen und zu steuern. Dazu gehören Cyber-Verwundbarkeit, Betriebsunterbrechungen, Know-how-Verlust, regulatorische Risiken, Denial of Service und Vendor Lock-in.
Für jedes dieser Risiken gibt es bekannte Gegenmaßnahmen. Open Source ist die bekannteste, aber auch Insourcing, eine stärkere Kontrolle der Wertschöpfungskette oder die Nutzung spezialisierter Dienstleister. Keine dieser Maßnahmen ist jedoch ohne Nachteil. Manche erhöhen die Kosten, andere schränken die Flexibilität ein, führen zu Wettbewerbsnachteilen oder erhöhen den Vendor-Lock-in.
Die Denkweise, die wir vermitteln möchten, ist daher die der Souveränitätsoptimierung. Unternehmen sollten die relevanten Risiken, Kosten und Chancen aller Hebel verstehen und auf dieser Grundlage die für sie passende Entscheidung treffen. Digitale Souveränität ist kein Endzustand, sondern ein kontinuierlicher Optimierungsprozess in einer technologischen und geopolitischen Umwelt, die sich selbst ständig verändert. 
 

Sie möchten den Lehrgang buchen? Das sind die nächsten Termine:

  • 09. September - 17. September 2026 | Online
  • 01. Dezember - 09. Dezember 2026 | Online

Weitere Informationen zum Lehrgang und die Möglichkeit zur Buchung finden Sie hier:
Manager für digitale Souveränität | Bitkom Akademie